Wenn die Mikrowelle zweimal klingelt

Gespeichert von Erik Wegner am/um Sa, 22.10.2016 - 22:00
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Schon wieder gibt es einen Angriff auf große Anbieter beliebter Internetdienste. Erst hier, nun hier.

Als Quelle der massiven Störungen werden vernetzte Geräte genannt, die unzureichend gesichert sind. Waschmaschinen, Kühlschränke, Überwachungskameras. Sie werden aus der Ferne gekapert und missbraucht, um eine bis dato unbekannte Größe an Internetverkehr zu erzeugen. Eine Nutzung der betroffenen Dienste ist durch die regulären Kunden nicht mehr möglich.

Leider bezweifele ich, dass sich bei den Herstellern der Geräte etwas ändert:

  1. Sicherheit ist (wenn überhaupt) ein Punkt, der erst zum Ende der Entwicklung eingebracht wird. Meist ist es dann schon zu spät.
  2. Sicherheit kostet. Weiterbildung bei den Mitarbeitern, stärkere Hardware-Ressourcen.
  3. Kosten der Sicherheit sind höher als die Kosten beim Eintritt eines Schadens.
  4. Sicherheit ist ein Prozess (man muss sich dauernd damit beschäftigen) und kein einmalig erreichbares Ziel.

Wie wird sich die Zukunft entwickeln?

Haushalte bekommen Glasfaser-Gigabit-Internet.

Noch mehr vernetzte Geräte werden auf den Markt geworfen, ohne dass der Hersteller einen Plan zur Wartung beim Endkunden hat. Sobald ein Gerät auf dem Markt ist, wird alle Energie auf das nächste Ding übertragen, eine Produktpflege ist kein Teil der Strategie.

Deshalb auch der Titel dieses Beitrags: bereits vor 25 Jahren hat der Film Der Rasenmähermann diese Endsequenz: Alle Telefone der Welt klingeln gleichzeitig.

Bei Internetdiensten à la Netflix oder Spotify kann es ja noch verschmerzbar sein, wenn sie kurz ausfallen. Aber die nächste Kategorie ist schon ausgemacht: Fahrzeuge. Alle forschen daran, alle wollen sie aus Komfort- und Datensammelgründen mit dem Internet verbinden.

Ich stelle mir regelmäßig die Frage: möchte ich meine Kaffeemaschine aus der Ferne starten? Möchte ich meiner Heizung per App sagen, sie soll loslegen? Die Haustür kontrolliert aus der Cloud aufgehen? Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sagt mir überhaupt nicht zu, weil ich an der Stelle schon überlege, wie ich diese Steueranlagen absichern muss. Solange hier kein Durchbruch erzielt wird und Sicherheit nur ein Nebenaspekt der Produktentwicklung ist, bleibt mein Zuhause lieber autark als smart.

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